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eHybridlok könnte bald auf Schiene sein

Innovation mit ÖBB-Know-how. Die moderne Lokflotte erhält eine perfekte Ergänzung, um weiterhin kostengünstig und umweltschonend Traktionsleistungen anbieten zu können.

Als größter Anbieter von Traktionsleistungen in Österreich ist die ÖBB-Produktion GmbH immer bestrebt, für ihre Lokflotte Energie- und Wartungskosten zu reduzieren sowie Lärmemissionen und Abgase zu vermeiden. Deshalb sollen auch in einem neu aufgesetzten Projekt eHybridloks als Ersatz von Diesellokomotiven entwickelt werden, die für Fahrten ohne Fahrleitung von einem geeigneten Energiespeicher angetrieben werden. Dieser Speicher soll beim elektrischen Betrieb unter der Fahrleitung aufgeladen werden, was später im fahrleitungsfreien Bereich einen ein- bis zweistündigen emissionsfreien Betrieb mit bis zu 200 kW ermöglichen soll. Harald Tisch, Stab Systemtechnik: „Hybridtechnologien finden bis dato nur am Automobilsektor Anwendung, zumeist speist ein Verbrennungsmotor eine Batterie. Die Möglichkeit einer elektrischen Speicheraufladung ist im Eisenbahnsektor wegen des hohen Grades der vorhandenen Elektrifizierung sehr groß, wurde aber bisher noch nie genutzt.“

Ausschreibung und Prototypen

Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) wurde mit der Abwicklung der zweistufigen Ausschreibung beauftragt, und Mitte des Jahres 2015 wurden nach Juryentscheid vier Anbieter mit der Erstellung von Machbarkeitsstudien beauftragt. Ein Expertengremium überprüfte und bewertete diese Machbarkeitsstudien, und letztendlich wurden zwei Bewerber mit der Realisierung jeweils eines Prototyps beauftragt:

  • TecSol-GmbH: „InnoShunt – 100 % electric everywhere; Energiespeicher auf einer elektrischen Verschublokomotive Rh 1063 für Betrieb ohne Oberleitung“ auf Basis eines Lithium-Eisen-Phosphat-Akkumulators
  • HET-GmbH mit der Montanuniversität Leoben und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR): „Hybridlokomotive auf Basis H2-Brennstoffzelle und Elektrolyse von Wasser als Range- Extender vorwiegend für Rangiereinsatz auf Eisenbahnstrecken mit und ohne Fahrleitung“

Prototypen im Test

In der letzten Stufe des Verfahrens wurde mit der Realisierung der beiden Prototyp-Lokomotiven begonnen, die Ende 2016 auf die Schiene gestellt und in weiterer Folge im realen Einsatz auf ihre Leistungsfähigkeit und Praxistauglichkeit getestet werden. Für die Prototyprealisierung wurde TecSol im April die 1063.039 übergeben, die Umbauarbeiten fanden in der betriebseigenen Werkstätte in Krieglach statt. Die Lokomotive wurde nach den vollendeten Umbauarbeiten auf der größten europäischen Eisenbahnmesse, der InnoTrans 2016 in Berlin, vorgestellt und fand reges Publikumsinteresse. Für HET ist die 1063.038 als Prototypfahrzeug vorgesehen, und die Umbauarbeiten sollen mit Hilfe von TS Linz in Kürze starten.

Zukunftstechnologien

Nach Abschluss der Erprobungen werden die beiden Prototyp-Lokomotiven im Zuge einer T-Ausbesserung wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzt. Die moderne Lokflotte der ÖBB-Produktion GmbH erhält jedenfalls mit der eHybridlok, in einem derzeit noch neuen Segment, eine perfekte Ergänzung, um weiterhin kostengünstig und umweltschonend Traktionsleistungen anbieten zu können.